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Abschied von Korsika

"Man sitzt insgesamt zu wenig am Meer"
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frei nach unbekannt

Ajaccio

 

Ajaccio ist für korsische Verhältnisse eine Großstadt. Hier sitzt die Verwaltung, hier landen die Kreuzfahrtschiffe an, hier tanzt das korsische Schwein. Es ist ein großes Getummel in der Stadt, denn es ist Samstag. Heute entlässt nicht nur die Costa Atlantico die Kreuzfahrer zum Besuch in die Stadt, heute landen auch die Fähren, die die Festlandsbewohner zum Bettenwechsel in oder aus den touristischen Hochburgen austauschen. Zudem ist es sommerlich warm und in der zentralen Hauptfußgängerzone ist Markt.
Die Stadt quillt also über vor Leuten. Und alle sind gleichermaßen erstaunt darüber, welche Bedeutung im Stadtbild Napoleon hat.

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Vor Ajaccio

"Man sitzt insgesamt zu wenig am Meer"
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frei nach unbekannt

Vor Ajaccio

Unser Vermieter versucht, uns zu erklären, wie man den Namen der korsischen Hauptstadt Ajaccio richtig ausspricht. Wir sagen A-jakjo. Er sagt A-dschadscho. Und das ziemlich schnell. Es dauert eine Weile, bis wir eine ihn zufriedenstellende Aussprache hinbekommen.
Wir fahren also nach A-dschadscho.
Und lassen die quirlige Hauptstadt gleich wieder links liegen. Ein ganzes Stück hinter der geschäftigen Innenstadt führt eine kurvige Straße direkt am Meer entlang. Überall locken steile Abstiege zum Wasser hinunter. Das Meer ist heute recht aufbrausend. Also lassen wir uns nicht verführen, sondern fahren weiter, bis wir am Ende des Golfes von Ajaccio - ja, es ist ein Golf, nicht nur ‘ne poplige Bucht - an einem betonierten Parkplatz ankommen, der wunderbar in der Sonne brutzelt. Hier geht es nicht mehr weiter. Zumindest nicht mit dem Auto. Ich bin überrascht, dass keine Reisebusse den Platz okkupiert haben. Aber angenehm überrascht. Vor dieser westlichen Spitze des Golfs liegen mehrere Inseln auf denen alte Wehrtürme aus dem 17. Jahrhundert auf kantigen Felsen über das Meer ragen. Der Archipel des Sanguinaires besteht aus der Landzunge, auf der wir stehen und vier vorgelagerten Inseln, die sich wie eine Kette ins Meer hinausschieben und den Kreuzfahrtschiffen einen umständlichen Umweg aufzwingen, wenn sie den Golf Richtung Norden verlassen wollen. Auf der letzten Insel steht zudem noch ein schnuckliger Leuchtturm. Aber da kommen wir im Moment nicht hin.
Stattdessen wandern wir den Chemin de Corniche entlang. Das ist ein schmaler Wanderweg, der sich ein paar Meter oberhalb der Küste entlang schlängelt. Der Weg besteht zunächst aus rotem Staub. An den grünen Hängen haben sich ein paar Einwohner des Ortes kleine Gärten und Hütten gebaut. Sieht alles eher provisorisch und illegal aus. Ist aber sicher sehr idyllisch. Das Meer wirft sich heute mit großer Kraft gegen die Felsen. Gischt spritzt hoch hinauf und ich versuche minutenlang mit der Kamera, einen besonders spektakulären Brecher zu fotografieren. Am Ende habe ich Dutzende Fotos mit spritzendem Meerwasser auf dem Fotoapparat. Tja damals, als ich noch Filme einlegen musste, hätte ich mir das überlegt. Der Weg führt noch weiter die geschwungene Küste hinauf. Immer wieder klettern wir auf ins Meer ragende Felsnasen hinauf, genießen die Aussicht und lassen uns den Wind um die Ohren brausen. Wir schauen hinüber zu den Inseln, die wir nun ganz besonders schön nebeneinander sehen können. Wie die gezackte Rückenpartie eines riesigen Meeresreptils ragen die Inseln aus dem Wasser. Schmale Wasserpassagen dazwischen.
Ein lautes Dröhnen erfüllt sie Luft. Von Norden nähern sich drei Kampfjets der französischen Luftwaffe. Diese französische Spezialeinheit ist bekannt für ihre waghalsigen Flugmanöver. Ich habe sie mal mit zwei Maschinen in den Gorges de Verdun eintauchen sehen. Der ist fast 800 Meter tief, allerdings nicht besonders breit. Mit einem Paddel in der Hand kann man sich nicht mal ordentlich die Ohren zuhalten.
Die Piloten versuchen, zwischen den Inselspitzen durchzurasen. Der erste Flieger hält gerade auf die Insel zu und kippt kurz vor dem Zusammenstoß mit dem Leuchtturm auf die Seite, um nur knapp dran vorbei zu schrammen. Was für eine coole Sau. Naja. Eigentlich kann man das cool auch streichen.
Wäre ich dort der Leuchtturmwärter, würde ich ernsthaft über eine geeignete Bewaffnung nachdenken.
Der Weg ist hinter der Pointe de la Corba, dem letzten Aussichtspunkt, den wir zu Fuß angestrebt haben, nicht mehr besonders schön. Es sieht eher wie ein ausgeschwemmtes Flussbett aus. Allerdings haben hier weniger massive Wasserfälle für die vielen ausgebrochenen Riefen im sandig-felsigen Untergrund gesorgt, sondern Reifen. Es ist ein beliebtes Gelände für Mountainbiker und Querfeldein-Crosser. Auf dem Rückweg werden wir von ein paar der Sportskanonen aus dem Weg geklingelt. Aber letztlich gelangen wir ohne schwerwiegende Verletzungen wieder zum Parkplatz und zu unserem in der Sonne glühenden Auto.
Wie wir mit Freude bemerken, hat der Wind abgenommen und die Wellen haben sich gelegt. Wir halten kurz vor Ajaccio an einer felsigen Bucht und klettern einen schmalen Abstieg hinab an einen gut geschützten Strand. Es ist nur ein kurzes Abkühlen im angenehm temperierten Wasser, das wir genießen. Offensichtlich als einzige, denn die anderen Badegäste - vermutlich Briten, weil krebsrot leuchtende Sonnenanbeter - gucken nur ratlos von ihren Handtüchern auf. Wir ziehen uns wieder an und ich winke ihnen freundlich zu. Die Mimik der anderen bleibt unbewegt. Aber mit verbranntem Gesicht lässt sich schlecht schmerzfrei lächeln.
Weiter im Innern von Ajaccio gibt es einen Strandabschnitt, der heißt Plage Trottel. Ich frage mich, wie wohl der Bereich heißt, den wir gerade verlassen haben.

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Porto Pollo

"Man sitzt insgesamt zu wenig am Meer"
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frei nach unbekannt

Porto Pollo

So groß ist Korsika gar nicht. Von unserem Bergdorf bis zum beschaulichen Badeort Porto Pollo entlang der Küstenstraße sind es gerade mal 55 Kilometer. Auf der Insel ist die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h festgelegt und die erreicht man selten. Geschwindigkeitskontrollen finden meist nur auf der Ostseite der Insel statt, weil man lediglich zwischen Bastia und Porto-Vecchio eine Chance hat, jemanden zu erleben, der die 80 km/h munter überbietet. An der Westküste und im Innern der Insel ist es schlichtweg nicht möglich schneller, als 60 km/h zu fahren und selbst das tun nur die wirklich Leichtsinnigen.
Die Küstenstraße von Ajacchio in den Süden ist gewunden, in den Kurven schlecht einsehbar und abwechselnd mit steilen Anstiegen und rasanten Abfahrten gespickt. Wenn man fährt und die liebenswerte Beifahrerin preist die Aussicht, die sich ihr rechterhand auf das Meer offeriert wird, kann man schnell die gute Laune verlieren, weil hinter der nächsten Kurve ein Auto von derselben Aussicht begeistert, nicht ganz seine Straßenseite beibehält. Und so sind fast eineinhalb Stunden vergangen, ehe wir in Porto Pollo eintrudeln.

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Wanderung im Innern der Insel

"Der Wanderstock hat einen Knauf am Ende."
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frei nach Terry Pratchett

Wanderung zu den Hochalmen im Innern Korsikas

An der Skistation Val D’Ese, einige Kilometer oberhalb von Bastelica ist nicht viel los. Das ist nicht verwunderlich, denn wir haben Frühsommer. Zwei Autos stehen in der Sonne auf einem Parkplatz aus mit Beton verfestigtem Geröll, vor einer selbstverständlich geschlossenen Snack-Bar. Wir stellen unser altes Auto dazu, ziehen unserer Wanderschuhe an. Ich setze den Rucksack mit den nötigen Unterwegsutensilien, wie Regencape, Schokoriegel, Wasserflasche und Fernglas auf und schnappe mir Pedru. Pedru ist ein gebräuchlicher Name in Korsika. Ab sofort heißt mein Reiseschwein, der Kastanienwanderstock mit dem Schweinekopfknauf, den ich mir in Corte gekauft habe Pedru.
Wir wandern unterhalb der Lifte einen Skihang hinauf. Der Weg ist steil und das Gelände wirkt ziemlich zerstört. Mit ausreichend Schnee ist es sicher ganz attraktiv, aber im Moment sieht man, wo die schmelzenden Wassermassen die Erde erodieren ließen und das Gelände talwärts gespült hat. Ob der Steigung sind wir nach wenigen Metern bereits ziemlich aus der Puste. Ich bleibe stehen und schaue mir die umliegenden Höhenzüge an. Auf einem taucht ein Reiter auf seinem Pferd auf.

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Corte – Die Alte Hauptstadt

"Der Wanderstock hat einen Knauf am Ende."
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frei nach Terry Pratchett

Corte - Die Alte Hauptstadt

Wenn ich von Corte als Hauptstadt rede, dann ist das nicht ganz richtig. Der Verwaltungssitz der Insel ist in Ajaccio. Ajaccio ist offiziell Hauptstadt des Departements Corse. Corte war einmal Hauptstadt. Das ist lange her. Als Korsika in der Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgreich die Unabhängigkeit von den Genuesen erkämpft hatte, war Corte die Hauptstadt dieser befreiten Insel. Aber außer aufrechten Kämpfern, die mit großer Freiheitsliebe unter ihrem Anführer Pascal Paoli das Land in die Unabhängigkeit randalierten, hatte Korsika nicht viel zu bieten. Die Landwirtschaft war verwahrlost. Industrie gab es kaum. Und vor Wissenschaftlern quoll die Insel auch nicht grad über. Es gab nur Berge und aufsässige Landeier. Die Genuesen hatten keine Lust, die Insel zurückzuerobern und verkauften ihre vermeintlichen Rechte, die sie faktisch nie besaßen, an die Franzosen. Die schickten 1769 ihre Armee in die Spur und übernahmen die Insel nach mäßig verlustreichen Kämpfen.

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Korsika – Achtung! Schildkröten

"Die Schildkröte lebt auf dem Boden. Man kann dem Boden kaum näher sein, ohne sich darunter zu befinden. Der Horizont ist nur wenige Zentimeter entfernt. Die Höchstgeschwindigkeit eines solchen Geschöpfs reicht gerade aus, um einen Kopfsalat zu jagen. Es hat überlebt, während der Rest der Evolution vorbeihastete. Der Grund dafür: Es stellt für niemanden eine Gefahr dar, und es lässt sich nur mit Mühe verspeisen."
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Terry Pratchett  "Lords and Ladies"

Achtung Schildkröten

Auf Korsika steht die Schildkröte unter Naturschutz. Besonders angetan hat es den Korsen die griechische Landschildkröte, nach ihrem lateinischen Namen Testudo hermanni auch Hermannschildkröte genannt. Da sie so überaus selten sein soll, fahren wir nach unserem Ausflug ins Ascotal zur im Flyer angepriesen Schildkrötenfarm „Le Village des Tortues“.
Schildkröten sind bemerkenswerte Tiere. Nun, diese Aussage kann man auf nahezu jedes Tier anwenden, denn in der Tat gibt es kaum Tiere, die ich einfach nur als langweilig bezeichnen möchte. Die Evolution hat sich in ihrer Vielfalt eine Menge einfallen lassen. Manchmal fragt man sich, wieso. Vielleicht hat die Evolution einfach Spaß an kreativer Gestaltung, probiert aus, färbt nach Geschmack, konstruiert aus dem Bauch heraus? Doch genau das tut sie nicht, denn jede Entwicklung in der Biodiversität ist ein knallharter Kampf ums Überleben. Trotzdem fragt man sich, warum Eichhörnchen so süß sind und Nacktmulle nicht.
Aber zurück zu den Schildkröten. Sie sind bereits so lange auf der Erde, dass ihre frühen Vorfahren noch mit Sauriern spielten. Wissenschaftlich gesehen, sind sie selbst welche. Man ist sich unter professionellen Auskennern nur nicht einig, wie. Erbitterte Stellungskämpfe finden seit Jahrzehnten in den einschlägigen Forschungsinstituten statt, in denen ein Professor behauptet, Schildkröten gehören zu den Leptiosauriern und sind also unbestritten Reptilien, während sich ein anderer Professor wissend den Bart zwirbelt, seinen Blutdruck auf Touren bringt und erbost klarstellt: „... dass sich die Schildkröten die DNA mit den Archosauriern teilen und somit ganz selbstverständlich mit den Dinosauriern gleichzustellen sind. Das ist vollkommen unstrittig erwiesen, sie Wissenschaftswurm.“
Auf jeden Fall sind sie alt genug, damit auch die Weltreligionen ein Wörtchen mitreden möchten. In der asiatischen Mythologie ist die Schildkröte Träger der Erdscheibe. Klingt einleuchtend. Und wegen ihres langen Lebens, hält man sie auch für fähig, Wahrsagern erhellende Botschaften in den Mund zu legen.
Der Schildkröte selbst dürften all diese Kinkerlitzchen relativ Wurst sein. Alles, was sie benötigt, um ein ausgefülltes, langes Schildkrötenleben führen zu können, ist ausreichendes Fressen, ein bisschen Fortbewegung und ein erfülltes Liebesleben. Und die Möglichkeit, alles zu vermeiden, was dazu führen könnte, in einer Suppe zu landen. Am Mittelmeer zu leben, ist da bereits ein vernünftigerer Schritt, als beispielsweise in Südostasien.
Wir erreichen die Farm, zahlen Eintritt und betreten ein wenig spektakuläres Gehege aus Holz- und Gitterumfriedungen, die mit blanker Erde und geschreddertem Holz gefüllt sind. Hier und da versucht sich etwas Gras zu etablieren. Aber die Pflanzenfresser sehen das eher als kulinarisches Angebot, statt als designerische Niveauregulierung. Ein paar Hügel sind aufgeschüttet und zu Unterschlupfhöhlen umgestaltet worden, manche mit Holzbalken verstärkt. Es sieht aus, wie in Hobbingen, nur nicht so grün. Hier und dort bewegen sich ein paar Steine. Ach nee, das sind ja die kleinen Scheißer.
Schildkröten gibt es hier in verschiedenen Größen und Farben. Ausschließlich Landschildkröten. Ein paar sind wirklich riesig. Andere sind klein und für ihre Verhältnisse ziemlich flink. In einer der staubigen Umfriedungen liegen die Hermannschildkröten faul herum. Es ist heiß und obwohl die Tiere es gern warm mögen, vermeiden sie die direkte Hitze. Die hohen Bäume werfen wohltuende Schatten und Hermann hält sich lieber dort auf, wo die Sonne verdeckt ist. Bei der Populationsdichte im Gehege sind die Höhlen alle besetzt. Die meisten Hermänner dösen träge im Halbschatten. Ein paar der aktiveren Exemplare albern herum, indem sie versuchen, auf dem Weg zu einem attraktiven Schattenplatz über herumlümmelnde Artgenossen zu klettern. Das sieht unbeholfen aus, zumal rechts und links genug Platz wäre, um die Kumpels großräumig zu umrunden. Sonderlich helle sind die Viecher offensichtlich nicht.
Trotzdem muss ich sie bewundern, wie sie so einklemmt zwischen zwei Knochenplatten, mit vier Stummeln als Beine und einem eigenwilligen Kopf mit einem zahnlosen Maul, mühsam über den Erdboden schrubben. Man kommt unwillkürlich in die Versuchung, diese Tiere wegen ihrer Unbeholfenheit zu bedauern und sich zu fragen, warum die Evolution sie dermaßen benachteiligt hat.
Schildkröte und Evolution sehen das anders. Diese Spezies hat  sich seit Jahrtausenden kaum verändert, kaum an die sich wandelnden Verhältnisse angepasst. Warum auch. Die Schildkröte kommt gut zurecht. Sie muss bereits sehr zeitig in der Entwicklung fast fehlerfrei konstruiert worden sein. Der Mensch hingegen, mit seiner kurzen Entwicklungsphase, seit der Zeit, als er sich vorsichtig von den Bäumen herunter wagte, hat sich immer wieder angepasst, gewandelt und versucht sich auf komplizierteste Weise zu vervollkommnen. Und nun, wo er sich als die Krone der Schöpfung, als Meisterwerk der Evolution brüstet, stolpert er über ein unscheinbares Virus, das das Bestehen einer angeberisch makellos designten Lebensform wie der des Menschen, deutlich in Frage stellt.
Ein Herrmann wuselt gemächlich zum Zaun, an dem ich stehe. Das Tier besitzt einen hübschen Panzer. Hellbraun gescheckt und glänzend, wie eine polierte Wurzelholzplatte. Es hebt den Kopf. Ich habe den Eindruck, die Schildkröte hypnotisiert mich, mit ihren weisen Augen, aus denen uraltes Wissen zu sprechen scheint. Vielleicht spricht aus dem Blick ja auch Verachtung, wegen meiner Arroganz und der Dämlichkeit, zu versuchen, mich auf lediglich zwei Beinen zu bewegen. So was geht doch nicht lange gut. Vermutlich will sie mir zu verstehen geben, dass nicht sie das bedauernswerteste Geschöpf auf dieser Welt ist. Viel wahrscheinlicher scheint es, dass der Mensch, in seinem eitlen Streben nach Perfektion, der eigentliche Witz ist, über den sich die Evolution schlapp lacht.

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Korsika – Im Ascotal

"Leider spreche ich überhaupt keine Sprache."
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Didi Senft (Tourteufel) über Verständigung im Ausland

Im Ascotal

Ein herausstechendes Merkmal der Korsen ist ihr kreativer Umgang mit der Schrotflinte. Geschickt durchlöchern sie auf den zweisprachig angelegten Straßen- und Wegweiseschildern den Teil, der französisch ist. Das wäre zu verschmerzen, wenn unser Straßenatlas die Ortsnamen ebenfalls zweisprachig abbilden würde. Tut er aber nicht. Die Karte ist französisch, die Straßenschilder nach der Behandlung ortsansässiger Separatisten nur noch korsisch. Unser Weg zur wunderschönen Asco-Schlucht ist also etwas mühselig, da wir uns ohne Navi fortbewegen und auf eine Karte angewiesen sind, die in dieser Gegend offensichtlich wenig Bedeutung besitzt. Dessen ungeachtet erreichen wir doch noch den Einstieg in das Tal. Wir fahren eine geschwungene Straße entlang, schmal und nur von Felsen und Abgründen begrenzt. In überschaubaren Abständen greifen Ausbuchtungen in den Fels. Nur hier kann man Ausweichen, wenn jemand entgegenkommt. Aber im Moment ist das Tal recht spärlich besucht. Die Straße steigt leicht an, die Landschaft ist karg, steinig und nur von ein paar zähen Buschgewächsen bewohnt. Der Fluss Asco begleitet uns rauschend. Manchmal können wir ihn dahinplätschern sehen, aber meist windet er sich unterhalb der Straße entlang und entzieht sich unseren Blicken.

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Korsika – Im Norden

"Ein Korse allein bringt es durchaus zu einem exzellenten General;
zwei Korsen gründen eine Partei,
aber drei Korsen bilden umgehend einen Chor."
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Korsisches Sprichwort

St. Florent

Hat man die etwas wanzigen Dörfer und Gemeinden der östlichen Strandregionen Korsikas erstmal hinter sich gelassen, fährt man durch kurven- und bergreiches Land, das weitestgehend unbewohnt und auch unbewirtschaftet scheint. Von Bastia kommend schrauben wir uns entlang der letzten vergessenen Gehöfte durch eine geröllhaltige Landschaft, in der sich bestenfalls die Macchia ausbreitet. Der Himmel ist blau, die Berge kontrastrieren in grauen Felstönen oder mit grüngelb bewachsenem Pelz. Ginster sticht immer wieder vor. Selten mal, dass ein Tier über die Felsen huscht. Lange zeigt sich kein Ort. Und dann sehen wir einen, der klebt am Berg, wie Wachs einer heruntergebrannten Kerze. Oletta heißt die Gemeinde. Wir fahren durch den Ort durch, an kompliziert zu bebauenenden Weinhängen entlang.
Unser Ziel heißt St. Florent und befindet sich auf der anderen Seite einer Halbinsel im Norden der Insel. Nebbio nennt sich der Landstrich und sticht wie ein ausgestreckter Mittelfinger ins Meer Richtung Frankreich.
Der quirlige Sommerort St. Florent besitzt einen kleinen feinen Segelhafen. Zahlreiche Bistros und Gaststätten laden zum Herumsitzen ein, jedes zweite Kind trägt ein Eis in der Hand. Das Wasser schimmert wunderschön blau und türkis, die Berge steigen rundherum in beachtliche Höhen. Es riecht nach Sonnenöl und frisch geröstetem Kaffee. Wir nehmen das Angebot an - das mit dem Herumsitzen. Nahe des kleinen Hafens schauen wir erholt in den Sommertag und genießen den Moment.

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Korsika – Bastia

"Ein Korse allein bringt es durchaus zu einem exzellenten General;
zwei Korsen gründen eine Partei,
aber drei Korsen bilden umgehend einen Chor."
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Korsisches Sprichwort

 

Bastia

Morgens am Meer

Die Sonne hat sich vor einer knappen Stunde rot leuchtend aus dem Meer erhoben. Links von meinem derzeitigen Standpunkt kann ich in einiger Entfernung schemenhaft die Insel Elba erkennen. Eine Katze putzt sich auf der Kaimauer, die spiegelnde Wasseroberfläche im Hintergrund. Hinter mir türmen sich die baufälligen Häuser des alten Bastia auf. Im Segelhafen kommt ein einzelner Bootsbesitzer gähnend aus seiner Kajüte gekrochen, einen Kaffeebecher in der Hand, einen Morgenmantel umgeworfen, der ihm um die nackten Beine schlägt.
Ich sitze auf einem Plastestuhl vor einem Bistro, beobachte die Szenarien, die Bastia um 7:00 Uhr morgens bietet und warte auf den ersten Kaffee.

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Korsika – liebenswürdig störrisch

"Ein Korse allein bringt es durchaus zu einem exzellenten General;
zwei Korsen gründen eine Partei,
aber drei Korsen bilden umgehend einen Chor."
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Korsisches Sprichwort

 

Mai 2012

Direction Belle Île

 

Die interessantesten Ecken Frankreichs liegen an seinen Rändern.
Bisher besuchten wir fast ausschließlich Gegenden, die als trotzig gelten und eine gewisse Vorliebe zur Separation aufweisen. Meistens Randgegenden. Die Bretagne beispielsweise. Ein imponierender Landstrich. Französisch, aber mit einer Neigung zur regionalen Unabhängigkeit. Oder das Roussillon, katalanisch im Wesen und Barcelona näher als Paris. Der Elsass, eine Region, die so oft von Frankreich nach Deutschland verschoben wurde und wieder zurück, um sich beiden Seiten zu entziehen. Dabei versteht sich der Elsass sehr wohl als das Herz Europas. Die Provence. Nicht so aufsässig, wie die anderen erwähnten Regionen, aber auch lieber für sich, da die Provence im Wissen um ihre Schönheit deutlich die eigene Eitelkeit pflegt. Interessant an den halbherzigen Souveränitätsbestrebungen der angeführten Randgebiete ist, dass wenn man die Sache gründlich durchleuchtet, diese Regionen ziemlich stolz darauf sind, Franzosen zu sein und bei aller Nörgelei jederzeit eine isolierte Eigenständigkeit ablehnen würden.
Die Korsen waren da lange radikaler drauf. Heute gewinnen die Nationalisten auf der Insel erneut zunehmend an Einfluss. Gewalt gegenüber Touristen gibt es dennoch nur selten. Denn selbst die kaltschnäuzigsten unter den korsischen Unabhängigkeitskämpfern wissen, dass Tourismus eine der wenigen konstanten Finanzquellen für die Insel ist. Und die Touristen kommen gern und in Mengen, denn Korsika besitzt beinahe ausnahmslos schöne Ecken.

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