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Kleine Radtour im Spreewald

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Pfingstmontag im Spreewald. Im Wasser staaken die Kahnschiffer größere Ladungen 50+ über die Fließe. Auf den Wegen radelt es sich verhältnismäßig beruhigt. Vereinzelt witschen E-Bikes an uns vorbei. Oder volluniformierte Mountainbiker auf der Suche nach der Herausforderung an der nächsten, das Wasser überquerenden Holzbrücke.
Kleine, wie große Einkehren sind gut besucht.
Die Dubkaumühle läuft über. Vor Besucher. Fahrräder finden kaum Platz. Der bediente Gaststättenbereich ist voll. Etwas abseits steht ein kleiner, gerade freier Kiosk. Der Kiosk wird von einem freundlichen 80jährigen bewirtschaftet. Der ist entsprechend flink. Aber es ist Feiertag und keine Eile piesackt. Er geht mal eben frischen Kuchen holen und wir warten die 10 Minuten. Langsam stellen sich Leute hinter uns an. Der Opi kommt wieder und sortiert die Kuchenstücke mit der Hand ein. Uns gelüstet es nach roter Brause, Schmalzstulle und Gewürzgurke. Bedächtig sucht er unsere Wünsche zusammen. Hinter mir mault eine ältere Dame, ob man nicht eine versierte Kraft einstellen könne. Wahrscheinlich ist der alte Mann der Besitzer der Mühle. Von mir aus kann er sich Zeit lassen.
Auch bei allen, die hinter uns stehen und noch vor der Dame dran sind.
Auf einer Bank sitzend, genießen wir das kleine Mahl und erschlagen nebenbei ein paar Mücken.
Dann fahren wir weiter, vorbei an grünen Moorwiesen, die im Februar noch tief gefroren oder zumindest fett unter Wasser standen.
Radfahrergruppen begegnen uns auf den schmalen Wegen und gelegentlich Autofahrer, die verzweifelt überholen wollen.

Vor Idylle kaum auszuhalten. die Whiskybrennerei im Spreewald.

In der Spreewald-Whiskybrennerei ist es vor Idylle kaum auszuhalten. Unter einer von Rosen überwucherten Holzlaube sitzt man beim Likör und beobachtet das Treiben im ruhig fließenden Wasser. Frösche wuseln umher und begutachten die Quappen, die hier das Bild der Wasseroberfläche dunkler färben. Am Uferrand schlängelt sich eine kleine Schlange entlang. Vor der Getränkeausgabe ist ebenfalls eine Schlange. Sie murmelt und windet sich langsam ins Haus und kommt dann in Einzelteilen wieder heraus, an jeder Hand ein Getränk befestigt.

Abwasch wartet

Ein alter Karren dient als Ablage für Gläser und Geschirr. Hinter dem Haus befindet sich ein kleiner Gartenteich. Davor lümmeln im Gras ein paar Chinesische Seidenhühner mit seltsam puschligem Gefieder.
Anderenorts sieht man Familien in Kanus schippern. Im Innern des Spreewalds, weit hinter Lehde und Leipe ist es auch heute recht still. Am Himmel kreisen größere Vögel. Ich würde sie gern besser unterscheiden können. Ob Habicht, Bussard, Kornweihe oder Sperber. Ich weiß es nicht. Aber größer als ein Piepmatz. Also vermutlich Raubmatz. Aus einer Baumgruppe hinter einem Flusslauf tönt das dunkle Rufen eines Pirols. Der erste, den ich in diesem Jahr höre.

Bisamratte beim Mümmeln

Auf einer Wiese, die zu einem Privatgrundstück gehört, sitzt mümmelnd eine Bisamratte. Zupft an den Gräsern und lässt sich nicht durch unsere Anwesenheit stören. Irgendwie erinnert die kleine Ratte an die Meerschweinchen, die der Gnade unserer Kinder ausgesetzt waren.

Am Ende der Runde sitzen wir im Bludnik. Das ist ein kleines Ausflugsrestaurant mit Zimmervermietung und Biergarten. Die Kellnerin wirkt freundlich aber hektisch. Sie kann sich nicht anders bewegen, als im Laufschritt. Auf die aufgespannten Sonnenschirme klopfen vereinzelte Regentropfen, während mir die Sonne die rechte Wange ansengt. Es war gut gefüllt im Bludnik, als wir einkehrten. Inzwischen hat ein Kahn abgelegt und die Fahrradständer sind fast leer. Kanus und Kajaks füllen sich und paddeln davon. Mein Spreewaldquark und das dazugehörige Leinöl ist ebenfalls verschwunden. Der Wirt nimmt die Schilder rein, die für Hefeplinze werben. Hier ist bald Feierabend.

In Lübbenau, am Hafen tobt noch der Markt mit seinen Regionalprodukten. Die ganze Palette von Senf- bis Gewürzgurke ist hier zu finden. Und natürlich handgepresstes Leinöl aus den Mühlen der Region. (Vertrauen sie dem Handschlag eines Spreewaldmüllers.)
Der Ort beginnt sich zu leeren. Auch die Blaskapelle packt gnädigerweise ein.
Wir auch. Und ab gehts durch den Pfingstmontagsheimreiseverkehr zurück nach Berlin.

Juni 6, 2017 Der Fahrtenschreiber

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