Himmelfahrt in Cassis

Der Himmelfahrtstag in Cassis ist natürlich nicht gerade ein Tag der Abgeschiedenheit. Ein Geschiebe und Gedrängel entlang des Hafens ist also nicht verwunderlich und wir entscheiden uns schnell in einer kleine Terrassenbar unterzuschlüpfen, die wir bereits zehn Jahr zuvor besuchten. Es ist die Bar der Boule- und Petanquespieler auf dem zentralen Bouleplatz in der Nähe des Hafens. Heute ist sie noch immer so eingerichtet, wie vor zehn Jahren. Ein paar Hollywoodstars hängen noch immer als Portrait an den Wänden und auf dem großen LED-Bildschirm im Laden läuft immer noch Pferdesport. Vielleicht sogar mit den selben Pferden.

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Das Hotel Jardin d’Emile

 Unser kleines, aber sehr stilvolles Hotel empfängt uns freundlich. Die Rezeptionistin, mit dem dunklen Bubikopf, die uns bereits am Vormittag mit allem Wissenswerten ausgestattet hat, begleitet uns über eine dunkle alte Holztreppe zu einem der fünf Zimmer, die das Hotel neben zwei Familiensuiten aufweist. Wir haben Zimmer Nummer Fünf. Es besitzt ein großes Bett, ein mit Terrakottafliesen gestaltetes Bad mit einer kleinen Badewanne und einem seitlich abgehenden Klo, in einer Nische von einer Größe, in der man nicht eingesperrt sein möchte. Ein rauschender Kühlschrank steht in einer Ecke und ist gut gefüllt mit preislich hoch angesiedeltem Wasser und Wein zu Restaurantpreisen.

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Cassis – Calanques von Oben

Den Calanques kann man sich auf verschiedenen Wegen nähern. Bei unserem ersten Besuch 2009 bestiegen wir einen Ausflugskutter, der uns an der Küste entlang schipperte und uns alle möglichen Buchten von der Meerseite aus zeigte, aber nicht zugänglich machte. (Siehe Cassis 1).
Fünf Jahre später entdeckten wir die Calanques ebenfalls auf dem Seeweg, in dem wir ein Kajak mieteten und an der Küste entlang paddelten, bis wir den schönsten aller Calanques erreichten, den Calanque En Vau.
Diesmal sind wir zu Fuß unterwegs, um über Wanderwege, die gut ausgeschildert sind, ebenfalls bis zum En Vau zu gelangen.

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Cassis

"Ach das Meer. So Blau. So Tief. So voller Fische"
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Kevin Kline in "French Kiss!

Cassis - Himmelfahrt am Mittelmeer

Wenn man von Aix en Provence kommend, die Autobahn bei Carnoux verlässt, erreicht einem schon diese Atmosphäre, wie sie nur Orte in Küstennähe aufweisen. Der Himmel ist blauer und die Luft atmet sich besser weg. Kaum lässt man den lebendigen Ort mit Markt und Radrennveranstaltung hinter sich, überquert den nächsten Berg, sieht man Cassis unter sich auftauchen und dahinter erblickt man dieses unvergleichliche Blau. Unwillkürlich drängen sich die Zeilen des Charles Trenet Chansons ins Ohr:
“La mer
lala lala lala des golfes clairs
da dada die dada, la mer,
und so weiter. La La".

Cassis, die verspielte kleine Schwester des robusten Hafenganoven Marseille liegt malerisch an einer versteckten Bucht mit hohen Felsen, von der Großstadt nur durch einen schmalen aber massiven Gebirgszug getrennt. Gerade mal 10 Kilometer Bergmassive und träumerische Badebuchten, die Calanques, machen den Unterschied zwischen Moloch und Idylle.

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Sisteron – Tor zur Provence

Sisteron besitzt ein paar erstaunliche Eigenschaften, die es zu einem besonders schönen Ort machen. Für uns war es bereits mehrfach Einstiegsort in die Provence.
Die Durance fließt hier über ein besonders kalkiges Bett und erscheint dadurch extrem türkis. Die Farbe ist entzückend. “Aahs und Oohs” hört man von vorbeischlendernden Touristen. Ich stelle mir vor, wie die Temperatur des Wassers ist, das in der Farbe von Ricola-Gletscher-Bonbons aus den Alpen herabsaust und bekomme prompt eine Gänsehaut.
Am Ufer erheben sich steil ein paar Felsen, die wie gespaltene Felsscheiben erscheinen.

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Thann – In einem Schloss im Elsaß

Thann im Elsass ist der Haltepunkt des ersten Tagesabschnittes. Der Ort in der Nähe von Mulhouse liegt eingebettet zwischen Vogesenbergen im Tal des Flüsschens Thann. Es ist ein kleiner, aber recht lebendiger Ort, durch den die Hauptverkehrsader Richtung Epinal läuft. Eine große, sehr schön mit ausschmückenden Figuren gestaltete Kirche beherrscht den Ort. Ein kleiner Craftbierladen lädt ein, den langen Tag auf der Autobahn würdig zu beenden. Ein Husky mit freundlichem Gesicht und weiß-grauem Plüschfell sitzt brav an einem Brunnen und wartet darauf, dass die Besitzerfamilie mit ihrem Bier fertig wird. Das dauert, denn Frauchen hat nasse Schuhe und nasse Socken und lässt diese in der Sonne trocknen.

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Frankreich kurz nach der Europawahl

Ich genieße es, plötzlich das Schild des Departements Bass Rhin zu sehen. Der Rhein bleibt unter und dann hinter mir zurück und ich bin in Frankreich. Kein Schlagbaum, kein Grenzpolizist, kein Zoll. Kein Umtausch von Geld. Lediglich eine andere Sprache. Die Menschen hier nicht unfreundlicher als anderswo. Im Gegenteil. Ich wurde in Frankreich immer mit viel Entgegenkommen behandelt.
In Mulhouse, wenige Kilometer hinter der kaum bemerkbaren Grenze, steht am Pfeiler einer Straßenunterführung groß und laut Frexit.

Ein Tag auf der Autobahn

In Berlin ist es immer noch kalt. Die Eisheiligen haben sich alle Mühe gegeben, Socken und Jacken nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und auch Ende Mai sorgen frische Temperaturen dafür, dass sich der Frühling länger in frischem Grün präsentiert, als im Jahr zuvor, als im Mai bereits die ersten Sonnenbrände mit Langzeitschäden registriert wurden.
Trotzdem wäre Wärme jetzt schön. Deshalb laden meine Herzdame und ich unser altes Automobil voll und fahren Richtung Provence.
Das ist eine recht lange Strecke, die ich wegen der mangelnden Fahrpraxis der lieben Lebensgefährtin allein bewältigen muss. Durchfahren wollen wir nicht. Etwas Zeit für den Weg lassen wir uns, denn der Weg ist bereits ein Teil des Urlaubsziels.

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Anacapri

Anacapri 

Von weiten Ausblicken, engen Gassen und beleidigten Navigationsgeräten

Am Rande des Trubels von Capri Stadt befindet sich ein winziger Busbahnhof – wenn man den denn so nennen darf. An einem Pavillon, der wirkt, wie ein Carport mit drei Parkbuchten, befindet sich ein kleiner Zugang, der aussieht, wie ein offengelassenes Gatter zu einem Ziegenstall. Einem Ziegenstall, der in drei Segmente aufgeteilt ist. Diese heißen Marina Grande, Capri (was gleich um die Ecke ist) und Anacapri. Man muss den richtigen Zugang in diesem kleinen Labyrinthspiel finden, um sich dem gewünschten Bus zuzuordnen. Das scheint schwerer, als es zunächst aussieht, denn fast jeder, der uns in dem Gang zum Bus nach Anacapri folgt, fragt, ob das hier richtig sei, nach Anacapri. Es gehört zu den unerklärlichen Phänomenen des Reisens, dass man sich unsicher fühlt, selbst wenn man den Hinweisen und Wegleitschildern folgt. Vielleicht meint es die Wegmarkierung ja anders, als man es selbst versteht. Oder jemand erlaubt sich einen Witz, über den nur er selbst lachen kann. Wir gehen zuerst durch dieses Gatter und weitere Reisende schließen sich uns an. Ich fühl mich, wie die Judasziege, den genau weiß ich auch nicht, was mich erwartet, erzähle den nach mir Folgenden aber hoffnungsvoll, dass alles gut wird. Wird es auch, denn schließlich schiebt sich der Greyhound in die Parklücke. Nun ja, wenn man Hunderassen als Vergleich bei Bustypen heranzieht, so ist dies hier eher ein behäbig er Mops.

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